Grußwort des Botschafters

Botschafter Michael Grau Bild vergrößern Botschafter Michael Grau (© AA)

Abidjan, im Oktober 2017

Sehr geehrte Damen und Herren, liebe Besucher dieser Seiten,

seit dem Sommer 2017 widme ich mich gemeinsam mit dem Team der deutschen Botschaft in Abidjan, den deutschen Mittlerorganisationen und anderen der Gestaltung und Vertiefung der deutsch-ivorischen Beziehungen. Ein wichtiges Projekt ist die Begleitung des bei der G20-Afrika Konferenz in Berlin unter deutschem Vorsitz gestarteten „Compact with Africa“. Unser Gastland Côte d’Ivoire ist eines der Länder, denen in diesem Rahmen die Unterstützung der G20 – Länder für einen politisch-wirtschaftlichen Reformprozess zugesagt wurde, der vor allem das Wirtschafts- und Investitionsklima verbessern soll. Unterstützt wird dieser Prozess durch eine ebenfalls 2017 ins Leben gerufene bilaterale deutsch-ivorische Reformpartnerschaft mit den Instrumenten der entwicklungspolitischen Zusammenarbeit, die Investitionen in erneuerbare Energien auf ivorischem Boden erleichtern will. Wichtige weitere Projekte dieser Zusammenarbeit gelten dem Naturschutz, einer nachhaltigen, einkommenssichernden und diversifizierten Landwirtschaft und der Förderung des Gesundheitssektors. Deutschland will so dazu beitragen, dass die Früchte der wirtschaftlichen Belebung auch in der Bevölkerung ankommen – Côte d’Ivoire leidet weiterhin unter einer hohen Armutsrate.

Die deutsche Wirtschaft verstärkt ihre Präsenz auf ivorischem Boden. Trotz verbreiteter Armut und den Nachwirkungen der Krisenjahre bis 2011 bleibt Côte d’Ivoire mit ihrer schnell wachsenden Bevölkerung von derzeit 24 Mio. Menschen die Wirtschaftslokomotive des französischsprachigen Westafrikas. Die Tatsache, dass hier Französisch gesprochen wird, braucht niemandem Sorge zu machen. Die europäische Handelskammer EUROCHAM sowie internationale Banken sind hilfsbereite Anlaufstellen - wie auch die Botschaft selbst. Und der gesamte Markt der westafrikanischen Wirtschaftsgemeinschaft (ECOWAS-CEDEAO) mit weiteren französisch sprechenden Mitgliedstaaten ist von Abidjan mit seinem internationalen Hafen aus gut zu erschließen.

Für viele mag die starke Stellung der deutschen Sprache - sie ist Wahlpflichtfach als 2. Fremdsprache an ivorischen Gymnasien - eine Überraschung sein. Tatsächlich lernen etwa 300.000 junge Ivorer Deutsch. Es gibt ein germanistisches Studium, und die Kurse des in Abidjan erfolgreich - mit Programm- und Spracharbeit - tätigen Goethe-Instituts sind stets gut gebucht. Ein DAAD-Lektorat unterstützt den akademischen Deutschunterricht und berät Interessenten zu Studienmöglichkeiten in Deutschland. Verschiedene langjährige Hochschulpartnerschaften und gemeinsame deutsch-ivorische Forschungsprojekte sind weitere wichtige Bestandteile der Zusammenarbeit bei Kultur und Bildung.

Côte d’Ivoire wurde in Krisenzeiten immer wieder Zufluchtsort für Bewohner seiner afrikanischen Nachbarstaaten. Das Land weist weltweit einen der höchsten Anteile von Ausländern unter seiner Bevölkerung auf - bis zu 25% - und ist zu Recht stolz auf die traditionelle Aufnahmebereitschaft und Gastfreundschaft der Ivorer. Zugleich ist Côte d’Ivoire Herkunftsland einer wachsenden Zahl von Migranten, die versuchen, Europa zu erreichen oder schon dort sind. Deutschland arbeitet gemeinsam mit der ivorischen Regierung, mit dem Flüchtlingshilfswerk der Vereinten Nationen (UNHCR) und der Internationalen Organisation für Migration (IOM/OIM) daran, Flüchtlinge im Lande zu betreuen, Rückkehrern eine Perspektive zu bieten und falschen Vorstellungen von jungen Afrikanern oder ihren Familien über die Gefahren der Migration und Illusionen über ihre Chancen in Europa entgegenzuwirken. Es ist ein wichtiger Inhalt der Arbeit dieser Botschaft, möglichst vielen Ivorern die Möglichkeit zur Mitarbeit an der weiteren Entwicklung ihres Landes zu verschaffen und ihnen eine Lebensperspektive in der Heimat aufzuzeigen. Auch diesem Ziel gelten unsere Zusammenarbeit zur Stärkung der ivorischen Wirtschaft und unsere entwicklungs- sowie bildungspolitische Zusammenarbeit.

Ich danke ausdrücklich allen, die sich hieran oder an einer Verbesserung der Lebensumstände im Allgemeinen beteiligen, einschließlich verschiedener privater Initiativen oder Organisationen.

Ihr Michael Grau